Grün ohne Grenzen
Der renommierte Gebäudebegrüner Gerhard Zemp zeigt, wie Bäume und Pflanzen Innenräume in inspirierende Orte verwandeln.

Der renommierte Gebäudebegrüner Gerhard Zemp zeigt, wie Bäume und Pflanzen Innenräume in inspirierende Orte verwandeln.

Wer sich in einem Raum wohlfühlt, bleibt länger, arbeitet konzentrierter und ist kreativer. Diese Erkenntnis prägt heutzutage auch das Interior Design moderner Konferenz- und Seminarumgebungen. Gefragt sind Räume, die inspirieren und gleichzeitig beruhigen, in denen sich Menschen gerne austauschen und neue Ideen entwickeln. Einer, der genau weiss, wie das gelingt, ist Gerhard Zemp. Der Berner Gartenbauingenieur und Architekt zählt zu den führenden Experten für Gebäudebegrünungen in Europa. Mit seiner Firma Aplantis plant und realisiert er visionäre grüne Raumkonzepte, Dachlandschaften und Fassadenbegrünungen. Seine Projekte sorgen in ganz Europa für Furore.
Begegnungszonen in Seminar- und Tagungsbereichen wirken oft karg und unpersönlich. «Dabei sind es gerade diese Orte» betont Zemp, «an denen Gäste ankommen, sich orientieren und sich willkommen fühlen sollten.» Mit durchdachten Begrünungs-Konzepten schafft er naturnahe, inspirierende Atmosphären, die Wärme und Geborgenheit ausstrahlen. Pflanzen, Licht und Möblierung fliessen harmonisch ineinander. Was das heisst, zeigt sich in den Projekten von Aplantis eindrücklich. Wo früher kahle Räume dominierten, entstehen grüne Biotope mit unterschiedlich dimensionierten Pflanzenwelten. In hohen Räumlichkeiten können es auch bis 16 Meter hohe Bäume sein – Zemp spricht von «XXL-Elementen». Diese werden nach Bedarf mit kleineren mobilen Pflanzgefässen kombiniert. Die flexibel einsetzbaren Elemente lassen sich zum Beispiel auf versteckten Rollen verschieben und setzen so überraschende Akzente, verändern Sichtachsen und schaffen natürliche Raumtrennungen ohne baulich Eingriffe.

Gerhard Zemps Werdegang erklärt, weshalb er Innenbepflanzungen neu denkt und seine Arbeiten heute so gefragt sind. «Früher arbeitete ich als Gartenbauingenieur in einem Unternehmen, das standardisierte Innenbegrünungen mit Hydrokultur realisierte. Meist kamen wir zu spät in ein Bauprojekt, die Planung war abgeschlossen, die Budgets aufgebraucht. Das frustrierte mich zusehends.» Statt sich damit abzufinden, entschied sich Zemp für ein berufsbegleitendes Architekturstudium. «Ich wollte die Sprache der Architekten verstehen und beide Disziplinen zusammenführen.»
Heute versteht er sich als Brückenbauer zwischen Architektur und Gartenbau. Seine gesamtheitlichen Lösungen sind funktional, ästhetisch und technisch durchdacht. Das können schlichte Pflanzenvorhänge sein, aber auch grossflächige Moorlandschaften oder Waldinseln mit hohen Bäumen. «Ich bin in den Entlebucher Hügeln aufgewachsen», sagt er lachend, «deshalb baue ich gerne Topografien bis zu zwei Metern Höhe.» Der heimatverbundene Zemp versucht, in seinen Projekten vermehrt europäische Pflanzenarten einzusetzen, die zur Vegetation der Aussenbereiche passen.

Der Mensch fühlt sich von Natur aus zur Natur hingezogen. Diese angeborene Verbundenheit, in der Fachsprache Biophilie genannt, ist ein Fundament von Zemps Arbeiten. «Biophiles Bauen bedeutet weit mehr, als ein paar Pflanzentöpfe in einen Raum zu stellen», erklärt er. «Es geht um das fein abgestimmte Zusammenspiel von Licht, natürlichen Materialien und Formen.» Dabei erfüllt die Begrünung immer eine konkrete Funktion: Sie dämmt Schall, befeuchtet die Luft und kühlt durch Verdunstung – verbessert also die Lufthygiene und das gesamte Raumklima. «Eine bepflanzte Insel mit grossen Bäumen kann sogar zur grünen Lunge eines ganzen Gebäudes werden.» Zemp weiter: «Wer in solchen Räumen arbeitet oder sich aufhält, spürt den Unterschied sofort. Viele berichten von einer spürbar positiven Wirkung auf ihr Wohlbefinden – sie fühlen sich entspannter, inspirierter und konzentrierter.» Studien belegen, dass in grosszügig begrünten Gastronomiebereichen der Umsatz steigt, weil sich Gäste wohlfühlen, länger verweilen und gerne wiederkommen.
Nicht nur in den Gebäuden, auch auf ihren Dächern entdecken Hotels und andere Unternehmen das Potenzial des Grüns. Immer mehr Bauherren verlegen ihre Seminarräume oder Pausenzonen nach oben – dorthin, wo Sonne, frische Luft und Weitblick die Geister beflügeln. «Dächer sind die neuen Sehnsuchtsorte», sagt Zemp. «Wer bei einem Neubau oder Umbau frühzeitig eine begrünte Dachterrasse einplant, eröffnet sich fantastische Möglichkeiten. » Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel von Innen- und Aussenräumen. Verglaste Wände öffnen sich nach aussen zu bepflanzten Flächen und gemütlichen Sitzecken. «Eine intensive Dachbegrünung schafft ein natürliches Ambiente und kostet weniger, als viele denken» betont Zemp. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage, die zugleich Schatten spendet und Regen abhält, entstehen Verweil-Orte, die Natur, Erlebnisqualität und Funktionalität raffiniert vereinen.»

Gerhard Zemp wuchs auf einem Bauernhof im Entlebuch auf und verbrachte seine Freizeit am liebsten draussen. Seine Herkunft und Naturverbundenheit prägen Zemps Arbeit bis heute. Als ausgebildeter Gartenbauingenieur und Architekt kombiniert er Architektur, technisches Know-how und gestalterische Kreativität. Gemeinsam mit einem Partner gründete er 2015 die Aplantis AG. Das Unternehmen realisiert visionäre Begrünungsprojekte für Hotels, Unternehmen und öffentliche Institutionen.
