Die Schweiz ist Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Sitz in Paris und engagiert sich aktiv im Tourism Kommittee der Organisation. Kürzlich hat die OECD ihren neuesten Bericht über die touristischen Entwicklungen und die Tourismuspolitik ihrer Mitgliedstaaten veröffentlicht. Darin werden zehn tourismuspolitische Prioritäten identifiziert, die auch für die Schweiz von grosser Relevanz sind.

Eine erste Gruppe von Prioritäten betrifft die Koordination zwischen den verschiedenen Staatsebenen sowie die Stärkung des Destinationsmanagements. Hintergrund ist das zunehmend dynamische Umfeld, in dem sich touristische Akteure bewegen. Destinationen müssen heute verstärkt ganzheitlich entwickelt und gesteuert werden. Dies setzt voraus, dass die Tourismuspolitik auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene eng aufeinander abgestimmt ist.

Steuerungsfunktion der Kantone

Diese Empfehlung ist insbesondere für die Schweiz mit ihrem föderalistischen Staatsaufbau von Bedeutung. Viele zentrale Entscheidungen zur touristischen Entwicklung werden auf kommunaler Ebene getroffen. Gleichzeitig nehmen die Kantone eine wichtige Steuerungsfunktion wahr, bevor ergänzend die Tourismuspolitik des Bundes zum Tragen kommt. Eine wirksame Tourismuspolitik des Bundes kann deshalb nur dann erfolgreich sein, wenn sie mit den strategischen Stossrichtungen der Tourismusgemeinden und Kantone abgestimmt ist und diese sinnvoll ergänzt.

Die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden funktioniert bereits heute sehr gut und stellt eine bedeutende Stärke des Tourismusstandorts Schweiz dar. Das SECO wird diese Kooperation in den kommenden Jahren gezielt weiterentwickeln. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Ausbau des Wissens- und Erfahrungsaustauschs, beispielsweise im Rahmen des Tourismus Forums Schweiz.

Ausbalancierte Tourismusentwicklung

Als zweite Prioritätengruppe nennt die OECD die Stärkung des gesellschaftlichen Nutzens des Tourismus. Entscheidend ist dabei, dass die durch den Tourismus geschaffene Wertschöpfung möglichst breit und insbesondere auf lokaler Ebene anfällt. Darüber hinaus empfiehlt die OECD gezielte Investitionen in Infrastrukturen, von denen sowohl Gäste als auch die lokale Bevölkerung profitieren können.

Hintergrund dieser Empfehlungen ist das starke Wachstum der touristischen Nachfrage in zahlreichen Regionen der Welt. Dieses führt zunehmend zu einer kritischeren Wahrnehmung des Tourismus durch die Bevölkerung. Unter dem Schlagwort «Overtourism» wird eine Entwicklung diskutiert, bei der die Akzeptanz des Tourismus sinkt und Proteste zunehmen, wie dies beispielsweise auf der spanischen Ferieninsel Mallorca zu beobachten ist.

In der Schweiz besteht glücklicherweise kein flächendeckendes Overtourism-Problem. Dennoch treten lokal und zeitlich begrenzt vermehrt Kapazitätsengpässe auf. Auch für die Schweiz ist es deshalb sinnvoll, sich stärker mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die positiven Effekte des Tourismus für die Bevölkerung weiter gesteigert werden können. Das SECO misst diesem Thema grosse Bedeutung bei und hat in der neuen Tourismusstrategie dafür das eigene Handlungsfeld «Ausbalancierte Tourismusentwicklung» geschaffen.

Der Schutz vor Extremwetterereignissen sollen verbessert werden. © stock.adobe.com, franzeldr

Veränderte Klima-Bedingungen

Eine dritte Gruppe von Prioritäten betrifft die Auswirkungen des Klimawandels. Die OECD fordert weltweit verstärkte Massnahmen zur Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen. Insbesondere das Risikomanagement und der Schutz vor Extremwetterereignissen sollen verbessert werden. Wie aktuell diese Empfehlungen sind, zeigt der Hitzesommer 2026 in Europa mit seiner anhaltenden Serie von Waldbränden. Von diesen Ereignissen sind nicht nur die lokale Bevölkerung, sondern auch zahlreiche Touristinnen und Touristen betroffen.

Das SECO teilt die Einschätzung der OECD, dass die Anpassung an den Klimawandel eine zentrale tourismuspolitische Priorität darstellt. Entsprechend besteht bereits heute eine enge Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU), das für die Klimapolitik des Bundes zuständig ist. Diese Zusammenarbeit soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden, beispielsweise im Rahmen des neuen Förderprogramms «Adapt+», das die Umsetzung von Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel finanziell unterstützt.

Zusammenfassend bestätigt die OECD-Publikation «Tourism Trends and Policies 2026» mit ihren zehn tourismuspolitischen Prioritäten die strategische Ausrichtung der Schweizer Tourismuspolitik. Das SECO hat sich aktiv an der Erarbeitung der Publikation beteiligt und die Erfahrungen sowie Perspektiven der Schweiz eingebracht. Die Publikation bietet zahlreiche wertvolle Erkenntnisse und Anregungen und ist deshalb allen tourismuspolitisch Interessierten zur Lektüre zu empfehlen.

Richard Kämpf
Stv. Leiter Direktion für Standortförderung
Leiter Ressort Tourismuspolitik
Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

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