Martin Troxler, die Eventbranche entwickelt sich ständig weiter und Innovationen sind gefragt. Wie kann man in der Eventorganisation Innovationen und Qualitätsstandards fördern?

Innovationen und hohe Qualitätsstandards sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Swiss LiveCom Association Expo Event (SLA) fördert diese aktiv über unsere Innovations-Foren und mit dem jährlich verliehenen XAVER-Award. Wir schaffen gezielte Plattformen für den Wissenstransfer, präsentieren Best Practices für Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung und vernetzen Anbieter mit Tech-Start-ups. Zudem arbeiten wir an einem «Innovation Tracker», um neue Entwicklungen systematisch zu er‑fassen und unseren Mitgliedern zugänglich zu machen.

Der Fachkräftemangel ist auch in der Eventbranche ein Thema. Wie lassen sich junge Talente für den MICE-Sektor gewinnen und langfristig binden und was tut Ihr Verband dafür?

Der MICE-Sektor lebt von engagierten, gut ausgebildeten Fachpersonen. Unser Verband engagiert sich deshalb stark in der Nachwuchsförderung. Durch gezielte Kooperationen mit Fachhochschulen und dem Berufsverband SVTB fördern wir praxisnahe Ausbildungsformate. Zudem haben wir mit anderen Branchenverbänden die Initiative GoBackstage lanciert. Die Plattform macht das Know-how «hinter der Bühne» sichtbar, fördert junge Talente gezielt und leistet damit einen langfristigen Beitrag zur Stabilität der Branche. Auf gobackstage.ch finden sich umfassende Informationen zur Ausbildung als Veranstaltungsfachfrau/-mann (EFZ). Zudem werden aktuelle Lehrstellenangebote in der Veranstaltungsbranche in der ganzen Schweiz aufgelistet – von Licht-, Tonund Bühnentechnik über Bühnenbau bis zu Veranstaltungstechnik. Wir helfen aber auch mit Formaten wie XAVER-Award (Swiss Award for Excellence in LiveCom), die Sichtbarkeit, Attraktivität und die Vielseitigkeit der LiveCom-Branche zu stärken.

Was unternimmt der SLA, um sicherzustellen, dass Hotels und Dienstleistende faire und transparente Bedingungen bieten, die für alle Beteiligten finanziell tragbar sind?

Uns ist bewusst, dass Event-Organisierende teilweise mit intransparenten oder überrissenen Kosten konfrontiert sind. Der Verband setzt sich für einen offenen Dialog zwischen Veranstaltern und Leistungsträgern ein und arbeitet derzeit an einem Best-Practice-Leitfaden, der transparente Konditionen, faire Vertragsbedingungen und realistische Preisgestaltung in der Branche fördern soll. Zusätzlich gibt das Verbandsdokument «Code of Conduct» sogenannte Verhaltensregeln wieder, die von allen Verbandsmitgliedern zu befolgen und zu beherzigen sind. So wird ein fairer und förderlicher Umgang in der lebhaften LiveCom-Branche gewährleistet.

Es gibt immer wieder Kritik an der Qualität von Event-Locations, zum Beispiel, was die Qualität des Essens und den Service betrifft. Gibt es ein Ratingportal speziell für Event-Organisatoren?

Die Qualität einer Eventlocation ist zentral – dabei spielen Essen, Technik, Service und Flexibilität eine grosse Rolle. Es gibt bereits ein Feedbacksystem auf der Plattform eventlokale.ch, bei dem Veranstalter ihre Erfahrungen mit Locations teilen können. Ziel ist eine bessere Entscheidungsgrundlage für Planer, ohne dass es zu einer öffentlichen Blossstellung kommt. Die Qualität soll sichtbar, aber nicht wertend verurteilt werden.

Ein ausgewogenes Verhältnis von Preis und Qualität beim Essen kann das Gesamterlebnis an MICE-Events weiter stärken. © stock.adobe.com, Photographee.eu

Mit welchen Massnahmen lässt sich die Qualitätssicherung innerhalb der Eventbranche sonst noch erhöhen?

Qualitätssicherung beginnt mit verbindlichen Standards. Wir arbeiten stetig mit unseren Mitgliedern daran, branchenspezifische Checklisten, Guidelines und Weiterbildungen weiterzuentwickeln.  Zudem fördern wir im Bereich Nachhaltigkeit (ISO) Zertifizierungen und Audits bei unseren Mitgliedern. Langfristig wollen wir so ein Qualitätssiegel etablieren, das als Orientierungshilfe für Auftraggebende dient.

Die Preise für Event-Dienstleistungen, insbesondere in den grossen Städten, sind seit Jahren auf hohem Niveau. Welche Rolle nimmt der Verband ein, um überzogene Preise und versteckte Zusatzkosten zu verhindern?

Die Preisentwicklung – insbesondere in urbanen Zentren – ist ein grosses Thema. Der Verband tritt hier als Vermittler auf und fördert die Diskussion zwischen Leistungserbringern und Auftraggebern. Transparenz und frühzeitige Planung sind dabei entscheidend. Mit informativen Marktanalysen und Kostenmodellen wollen wir Veranstalter befähigen, Kosten besser abzuschätzen und faire Angebote einzuholen.

Viele kleinere Eventregionen fühlen sich von grossen MICE-Zentren wie Zürich oder Genf benachteiligt. Wie können auch kleinere Regionen von der MICE-Nachfrage profitieren?

Der Verband setzt sich gezielt für die Dezentralisierung der MICE-Nachfrage ein. In Zusammenarbeit mit Regionen, Tourismusorganisationen und KMU schaffen wir Sichtbarkeit für weniger bekannte, aber leistungsfähige Locations. Über unser Netzwerk vermitteln wir aktiv Eventformate in kleinere Regionen und setzen auf hybride Formate, die geographische Limitationen überwinden helfen. Zusätzlich feierte der Verband am 12. Juni in Vevey einen erfolgreichen Auftakt in der Romandie. Rund 70 Teilnehmende trafen sich zu einem Abend mit spannenden Diskussionen und inspirierenden Begegnungen. Der Verband will künftig noch stärker Brücken zwischen den Sprachregionen bauen und gemeinsam die Zukunft der Branche in der ganzen Schweiz gestalten.

Eine bekannte Kritik von Event-Organisatoren am Verband ist, dass er zu wenig auf ihre Bedürfnisse eingeht und keine schnellen Lösungen für drängende Probleme bietet.

Die Kritik nehmen wir ernst – und sie spornt uns an. Der Verband hat seine Struktur reformiert und setzt verstärkt auf projektbezogene Arbeitsgruppen mit praktischen Event-Profis. Zusätzlich führen wir regelmässige Mitgliederumfragen durch, um aktuelle Bedürfnisse zu identifizieren. Unsere Geschäftsstelle ist schlank, aber agil und wir verstehen uns als praxisnaher Sparringspartner. Das haben wir insbesondere in der Pandemie bewiesen und sind aktuell auch daran, politische Vorstösse frühzeitig in die richtigen Bahnen zu lenken.

In Sachen Nachhaltigkeit gibt es in der Eventbranche noch Luft nach oben. Wie lässt sich eine verbindliche, branchenweite Nachhaltigkeitsstrategie etablieren?

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Erfolgsfaktor in der Eventbranche geworden – das hat der Verband schon früh erkannt und entsprechende Massnahmen eingeführt. Herzstück ist die ISO-Zertifizierung «Sustainable Management Systems by Expo Event», die Unternehmen zu ressourcenschonendem Handeln und modernem Management verpflichtet. Ergänzend bietet der «Event Sustainability Monitor» ein flexibles Benchmarking-Tool, das Veranstaltungen mit über 600 anderen vergleicht und nachhaltige Planung unterstützt. Neu steht auch ein Template zur Verfügung, das bei der gesetzlich geforderten Nachhaltigkeitsberichterstattung nach internationalen Standards hilft.

Martin Troxler, Geschäftsführer der Swiss LiveCom Association EXPO EVENT (SLA) © zvg

Martin Troxler ist Geschäftsführer der Swiss LiveCom Association EXPO EVENT (SLA), dem nationalen Branchenverband der Live-Communication-Branche in der Schweiz. Der Verband vertritt rund 200 nationale und internationale Firmen aus den Bereichen Messen, Eventagenturen, Locations, Technik und Zulieferer – und fungiert als Sprachrohr gegenüber Behörden, Politik und Öffentlichkeit. www.expo-event.ch