Herr Furrer, Sie realisieren seit vielen Jahren Events in der Schweiz. Was macht für Sie eine wirklich gelungene Veranstaltung aus – jenseits von perfekten Abläufen und stimmungsvollen Locations?

Als gelungen bezeichne ich Events mit einem eindeutigen Ziel, dem damit abgestimmten Programmdesign und vielen überraschenden Wow-Momenten.

Erinnern Sie sich an den allerersten Event, für den Sie verantwortlich waren?

Unser erster Event vor rund 18 Jahren war eine Jubiläumsgala in einem Festzelt mit 2’500 Gästen. Während der Gala hatten wir einen starken Sturm und wir waren kurz davor das Zelt zu evakuieren. Was im Sicherheitskonzept klar beschrieben war, fühlte sich vor dem Entscheid plötzlich komisch an. Faktisch hätten wir die Gäste raus in den Sturm geschickt … Der Wind beruhigte sich und es kam zum Glück nicht so weit. Seither spielen wir die gutgemeinten Massnahmen im Sicherheitskonzept immer gedanklich durch.

Heute spricht man gern von «Erlebnissen» statt von Veranstaltungen. Was genau bringt Emotionen in einen Event?

Ein überraschender Spannungsbogen mit vielen Wow-Momenten erzeugt immer Emotionen. Dabei sollte man darauf achten, dass möglichst viele Sinne bespielt und involviert werden. Die passende Dosierung aller Erlebnisse ist schlussendlich aber genauso entscheidend, damit der Eventbesuch unvergesslich bleibt.

Wie beginnt für Sie die Planung einer Veranstaltung? Gehen Sie stets nach einem bestimmten Schema vor?

Wir arbeiten nach einem klar definierten Prozess. Dieser beginnt immer mit der Bedürfnisabklärung und dem genauen Verständnis unseres Kunden. Je mehr Informationen wir erhalten und je besser wir den Wunsch und die Botschaft kennen, umso präziser und gewinnender wird das Eventkonzept.

Welche Schritte in der Eventplanung werden Ihrer Erfahrung nach von Kundinnen und Kunden am häufigsten unterschätzt?

Die Konzeptphase. Gastgeberinnen und Gastgeber habe oft den Eindruck, dass wir die Idee mit der Offerte dazu innert Stunden aus dem Hut zaubern können. Dabei ist jedes Konzept auf den Event und die dazugehörende Botschaft abgestimmt. Damit die Idee gelingt, sind viele Informationen seitens der Kundin oder des Kunden nötig. Und ja, auch das Kostendach muss bekanntgegeben werden. Diese Phase braucht Zeit und im besten Fall mehrere Etappenschritte.

«Unkomplizierte Events sind wieder vermehrt gefragt», stellt Oliver Furrer fest. © Furrer Events AG

Gibt es etwas, das einen Event besonders «schweizerisch» macht? Etwas, das Events von ähnlichen Veranstaltungen im Ausland typischerweise unterscheidet?

Unsere Events sind strukturiert und auf die Minute getaktet. Mehrsprachigkeit ist für uns genauso selbstverständlich wie das Einhalten des Zeitplans. Wir schätzen hohe Qualität und Sicherheit. Im Gegenzug fehlt es dadurch an Spontanität und der Lockerheit, die wir – als Gast, nicht als Organisator (lacht) – im Ausland geniessen.

Die Schweiz positioniert sich international als Premium-MICE-Destination. Wo sehen Sie klare Wettbewerbsvorteile – und wo steht der Standort unter Druck?

Vorteile sind die hohe Qualität, die Verlässlichkeit und Sicherheit. Die kurzen Distanzen sind ein weiterer guter Grund, um die Schweiz als Veranstaltungsort zu wählen. Die Qualität hat aber natürlich auch ihren Preis, der im Ländervergleich wiederum auch ein Nachteil sein kann.

Wie haben sich Events in den letzten Jahren verändert?

Die Planung erfolgt immer kurzfristiger. Die Digitalisierung und die damit verbundene Teilnahmesteuerung (individuelle Agenda pro Teilnehmerin und Teilnehmer) hat Einzug gehalten. Unverzichtbar ist auch das Erfüllen der Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig stellen wir fest, dass unkompliziertere Events (salopp Bier und Festbänke) wieder vermehrt gefragt sind. Was zeitlos wichtig bleibt, sind gute Gesellschaft, feines Essen und eine top Organisation. Unabhängig vom Format.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie werden Business-Events in zehn Jahren aussehen?

Vielversprechend! Sicher ist, live vor Ort und der persönliche Austausch wird bleiben. Wie von Geisterhand gesteuert, holen die schwebenden Objekte unsere Gäste persönlich zuhause ab. Entlang dem roten Teppich schlendernd, erfasst die Face-ID die Gäste und die künstliche Intelligenz führt die Teilnehmenden, sortiert nach den Farben der Damen- Abendkleider, an ihre Tische. Der Wow-Moment ist garantiert (lacht).

Oliver Furrer von Furrer Events. © Furrer Events, Sissi Matzner

Oliver Furrer ist Gründer und Geschäftsleiter von Furrer Events. Die 2008 gegründete Agentur mit Sitz in Kriens organisiert und setzt in der Schweiz wie auch im Ausland Events um, darunter Kundenevents und Mitarbeiteranlässe, Messen und Roadshows, Generalversammlungen und Kongresse wie auch öffentliche und digitale Anlässe.