«Ich würde ja die Anreise zu Fuss empfehlen, aber die Location ist zu weit entfernt.» – «Ich hätte schon gerne weniger Catering-Abfall, aber es gibt hier keine Alternative zum Plastik.» – «Ich möchte meinen Gästen eine grüne Umgebung bieten, aber hier ist leider alles verbaut.» Das Leben eines umweltbewussten Veranstalters bewegt sich oft im Konjunktiv. Gefragt ist für ressourcenschonend und verantwortungsvoll durchgeführte Anlässe aber der Indikativ: Gemäss einer aktuellen Oniva-Umfrage mit rund 700 Event-Verantwortlichen aus der Business-Welt zählt Nachhaltigkeit schliesslich zu den grössten Herausforderungen und wichtigsten Trends der Branche. Aber welche Gastgeber schaffen den Schritt von der Möglichkeitsform zur gelebten, zukunftsorientierten MICE-Realität? Ein Augenschein in Baden offenbart innovative und wirksame Massnahmen von Seiten der Stadt und der Leistungsträger.

Die Trafo-Hallen setzen auf LED. © Stadt Baden

Grosseinsatz beim Licht

Historisch und doch innovativ präsentiert sich die erste Station. Denn wo einst elektrische Transformatoren gebaut wurden, fliesst auch heute noch viel Energie. In den Trafo-Hallen in Baden setzt das Team heute jedoch auf zeitgemässere Lösungen. Im gesamten Haus von der Garderobe bis zum Lager werden derzeit nämlich die Lampen auf LED umgerüstet und mit Sensoren zur Lichtsteuerung versehen. Dazu gesellen sich drei LED-Grossbildschirme, welche die bisherigen Leinwände ersetzen.

Helle Aussichten also für die bis zu 2500 Gäste, die in den insgesamt 24 Räumlichkeiten vor Ort Platz finden. Und apropos sparsame Dioden: Beim Tausch der Leuchtmittel hat auch das Grand Casino Baden den Schalter umgelegt. Zudem schaltet das Haus seine Automaten nach Betriebsschluss konsequent aus, um den Energieverbrauch zu senken. Kein Wunder, hat man mit diesen und weiteren Schritten mittlerweile das Zertifikat «Swisstainable III – Leading» erhalten. Dies ist schliesslich eine Auszeichnung für extern überprüfte Betriebe, die alle Dimensionen der Nachhaltigkeit abdecken.

Plastik wird im Limmathof reduziert. © Stadt Baden

Mit Bechern und Becken

Weiter geht der Nachhaltigkeits-Rundgang zum Limmathof Baden. Im Hotel & Spa mit seinen neubarocken Eventräumlichkeiten hat gerade ein Gast sein Mineralwasser ausgetrunken und wirft nun seinen Becher weg – nicht etwa in den Abfallkübel, sondern ins Altpapier. Und damit liegt er goldrichtig.

Denn seit Ende August hat die Wellnessoase ihre Plastikvariante verbannt und eine nachhaltige Alternative gefunden. Die neuen Trinkgefässe sind umweltfreundlich beschichtet, vollständig biologisch abbaubar und können damit gleich zusammen mit der Tageszeitung recycelt werden. Und wenn wir schon beim Thema Wasser und Wohlfühlprogramm sind: Auch das Team der Wellness-Therme FORTYSEVEN richtet sein Umweltbewusstsein längst nicht nur auf das warme Nass aus der Tiefe. Mit jährlichen Spenden und einer Anbindung an den Online-Shop unterstützt das Unternehmen die Non-Profit-Organisation «Wasser für Wasser»; die Beiträge fliessen in unternehmerische, soziale und ökologische Projekte etwa in Mosambik oder Sambia.

«Swisstainable III»-Standard herrscht im Grand Casino. © Grand Casino Baden

Urban und grün gedacht

Dass der Badener Rundgang so reibungslos zwischen nachhaltigen Oasen verläuft, liegt natürlich auch an der Politik der Limmat-Stadt. Mit Pärken und Wäldern gibt es schon jetzt viel Raum zur Entschleunigung und Erholung zwischen Meetings und Events, und die kurzen Distanzen zwischen Hotels und Locations lassen sich bequem zu Fuss und mit kleinem CO₂- Fussabdruck meistern. Zudem schreitet die Begrünung der Ortschaft weiter voran, etwa bei Kiesplätzen, die eine neue Funktion erhalten. So verwandelt sich zum Beispiel der Trafoplatz gerade in eine Fläche mit Nutzrasen und ökologischer Wiese. Auf Letzterer finden Wildblumen ebenso Platz wie Staudenbeete mit Holzelementen. Als weiteres Pilotprojekt sind begrünte Bänke in der Pipeline: Den Anfang machten ab September mobile Sitzgelegenheiten mit Kletterpflanzen und Sonnensegel beim Bahnhof. Sie sorgen für ein Mikroklima und eine Arbeitsumgebung, die schon bei der Ankunft anregend und inspirierend wirken und die Aufenthaltsqualität spürbar verbessern. Auch hier braucht man sich also nicht zu wundern, hat die Stadt Baden dieses Jahr den «Climate Star»-Award erhalten – auch das ein Engagement, das bei der nächsten Veranstaltung zum Mit- und Nachmachen einlädt.

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