Location, Hotelzimmer, Verpflegung, Programm und Unterhaltung für rund 1000 Menschen – wann beginnen Sie mit den Vorbereitungen?

Nach dem Event ist nahtlos vor dem Event (lacht). Bereits während des Anlasses überlegen wir uns, was gut läuft und wo Verbesserungsbedarf besteht. Den Veranstaltungsort legen wir möglichst früh fest, um ihn jeweils am Ende der aktuellen Ausgabe verkünden zu können. Nach dem Event finden verschiedene Debriefings statt, in denen wir im Team das Gewesene analysieren und Lehren für die Zukunft ziehen. Da Connect Switzerland jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet, müssen wir uns auch jedes Jahr wieder neu erfinden – eine reizvolle Herausforderung. Generell ist es uns wichtig, Themen und Menschen ins Zentrum zu stellen, die inspirieren. Und wir haben es gehört in verschiedenen Keynotes und Breakout-Sessions der diesjährigen Ausgabe: KI ist omnipräsent und verändert gerade viele Bereiche unseres Lebens. So ist es auch uns ein Anliegen, sie gezielt dort einzusetzen, wo Abläufe erleichtert und Prozesse beschleunigt werden können.

Gleichzeitig haben Sie beim Programm der diesjährigen Ausgabe vermehrt auf Gespräche und reale Begegnungen gesetzt.

Genau. In Anlehnung an den Austragungsort – wir haben die Infrastruktur des «Zermatt Unplugged» genutzt – gaben wir dem Event den Untertitel «Switzerland unplugged». So haben wir dieses Jahr im Gegensatz zu den Highend-Präsentationen der letzten Ausgaben voll auf den Menschen gesetzt. Das Highlight auf der Hauptbühne war das grosse rote Schweiz-Tourismus-Sofa, auf dem drängende Fragen gemeinsam mit Branchenvertreterinnen, externen Meinungsmachern und Fachpersonen erörtert wurden. Wir sind davon überzeugt: Es wird immer wichtiger, Menschen gezielt zusammenzubringen und voneinander zu lernen.

Welche Faktoren sind entscheidend, damit ein solcher Anlass nachhaltig wirkt?

Man muss Themen aufgreifen, die in der Luft liegen. Die Teilnehmenden sollen sich Inputs holen können, die sie sonst nicht bekommen. Wir möchten der Branche durch unsere Inhalte einen Vorsprung an Wissen verschaffen und dazu beitragen, dass die Schweizer Tourismusbranche untereinander gut vernetzt ist. Wir sind quasi das WEF des Tourismus. Für ein nachhaltiges Networking braucht es – neben den richtigen Leuten – die passende Umgebung und Atmosphäre: Dazu gehören neben einer stimmungsvollen Location natürlich auch die Verpflegung, Livemusik und eine coole Party. Wenn man sich wohlfühlt, kommt man auch leichter miteinander ins Gespräch. Ein solcher Anlass ist wie eine gelungene Inszenierung, das muss gefühlt werden, durch den Bauch gehen.

Ariane Schönbächler bei der Hauptprobe. © zvg

Als Head of Live Communication sind Sie nicht nur für Connect Switzerland, sondern für alle Events von Schweiz Tourismus hauptverantwortlich. Was ist nötig, um diesen Job erfolgreich auszuführen?

Starke Nerven – und viele davon! (lacht) Dazu eine grosse Portion Durchsetzungsvermögen, Kreativität, Diplomatie und Verhandlungsgeschick. Man muss den Blick für das grosse Ganze im Fokus behalten und über das Talent verfügen, in kurzer Zeit Lösungen zu finden. Empathie ist zentral, da man mit sehr vielen Menschen zu tun hat, die unterschiedliche Bedürfnisse haben. Das Wichtigste ist die Fähigkeit, im Team arbeiten zu können. Wir sind zwölf Leute, die das meiste selbst stemmen: Von der Ideenfindung bis zur Umsetzung. Dazu gehören ein Technikpartner sowie Freelancer, die uns bei Bedarf ergänzen. Wir bauen selbst auf, machen selbst Konzepte, auch Grafikarbeiten und Präsentationen erstellen wir inhouse.

Was schätzen Sie an Ihrem Job?

Es ist eine ausgesprochen kreative und abwechslungsreiche Tätigkeit. Jeder Tag ist anders. Ausserdem habe ich ein wahnsinnig tolles Team im Rücken, das mir viel Energie gibt. Nur wenn dieses Zusammenspiel funktioniert, ist es möglich, pro Jahr zwischen 60 und 80 Events und Messen umzusetzen. Es gibt gewisse Fixpunkte, die immer gleich sind, etwa Verträge unter Dach und Fach bringen, Catering organisieren und so weiter. Aber gerade bei Connect Switzerland muss man sich immer wieder neu auf die Gegebenheiten vor Ort einstellen.

Welche Herausforderung galt es dieses Jahr in Zermatt zu meistern?

Einerseits die Zeit, die sehr knapp war. Wir hatten nicht mal einen ganzen Tag, um das Festivalgelände umzubauen, inklusive neuer Bühne, Technik, Branding etc. Wir konnten am Sonntagmorgen um 8 Uhr beginnen und um 16 Uhr waren bereits die Hauptproben angesetzt. Das war sehr tight. Dazu kam die logistische Herausforderung im autofreien Zermatt. Und auch das Wetter ist hier oben eine unberechenbare Variable: Letztes Jahr um diese Zeit war der Ort wegen des starken Schneefalls von der Aussenwelt abgeschnitten, niemand wäre hier hoch- oder hinuntergekommen.

«Connect Switzerland» fand dieses Jahr auf dem Gelände des Musikfestivals «Zermatt Unplugged» statt.

Wo steht Connect Switzerland in Sachen Nachhaltigkeit?

Seien wir ehrlich: Ein Event ist dann nachhaltig, wenn er gar nicht erst stattfindet. Aber wir versuchen, so nachhaltig wie möglich zu sein, und das fliesst in jede Entscheidung mit ein, die wir treffen. Zum Beispiel nutzen wir bestehende Locations, produzieren so wenig Abfall wie möglich, achten beim Catering auf regionale und saisonale Zutaten und engagieren Unternehmen, die möglichst around the corner sind. Des Weiteren schaffen wir Anreize, damit die Teilnehmenden mit dem Zug anreisen und arbeiten mit einem Technikpartner zusammen, der auf E-Lastwagen setzt. Wir stecken unsere Nachhaltigkeitsziele sehr hoch, aber ganz ohne Fussabdruck geht es nicht.

Connect Switzerland 2026

«Klassentreffen» am Fusse des Matterhorns: An der von Schweiz Tourismus organisierten Fachveranstaltung Connect Switzerland (früher «Schweizer Ferientag») kamen am 13. und 14. April in Zermatt rund 1000 Vertreterinnen und Vertreter aus der nationalen Tourismusbranche zusammen. Im Mittelpunkt der Keynote-Referate, Podiumsdiskussionen und Breakout-Sessions standen aktuelle Themen wie die Auswirkungen der aktuellen politischen Lage auf den Tourismus, KI und Nachhaltigkeit. Als Keynote-Speaker waren unter anderem Shaikha Al Nuwais, Generalsekretärin UN Tourism, sowie Richard Quest, Leitender Redakteur CNN Business, zu hören. Auf dem grossen Sofa der Hauptbühne, das Talkshow- und Samstagabendgefühl verbreitete, trafen sich Brancheninsider sowie Prominente wie der Psychoanalytiker Peter Schneider oder die Schweizer Influencerin Emma alias «Wemmse». Der nächste Connect Switzerland findet am 24. Mai 2027 in St. Gallen statt.

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