Frau Sigrist, was muss eine gute virtuelle Assistentin (VA) können?

Sie zeichnet sich durch Zuverlässigkeit, Selbstorganisation und Kommunikationsstärke aus. Sie ist lösungsorientiert, denkt mit und hat Freude daran, andere zu entlasten. Technische Affinität ist hilfreich, wichtiger sind jedoch Lernbereitschaft und Eigeninitiative. Wer als VA erfolgreich sein will, kombiniert Professionalität mit Empathie und bleibt offen für Neues in einer sich stetig wandelnden digitalen Welt.

Was hat ein Unternehmen davon, mit einer virtuellen Assistentin zu arbeiten?

Unternehmen und Selbständige profitieren enorm von der Zusammenarbeit mit virtuellen Assistentinnen. Sie erhalten professionelle Unterstützung, ohne fixe Arbeitsplätze oder lange Einarbeitungszeiten bereitstellen zu müssen. VAs bringen frisches Know-how, Effizienz und Flexibilität mit – und können punktgenau eingesetzt werden. So sparen Unternehmen und Selbständige Zeit, Kosten und Ressourcen, während sie gleichzeitig von modernen, digitalen Arbeitsmethoden profitieren.

Welche Aufgaben eignen sich konkret, um sie einer virtuellen Assistentin zu übertragen?

Virtuelle Assistentinnen übernehmen je nach Bedarf Aufgaben wie E-Mail- und Kalenderverwaltung, Social-Media-Management, Kundensupport oder Datenpflege. Viele spezialisieren sich zudem auf technische Themen wie Webseiten, Newsletter oder Onlinekurse. Der Vorteil: Unternehmen können genau die Aufgaben auslagern, die sie entlasten und sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Wie können wir uns Ihren typischen Arbeitstag vorstellen?

Mein Arbeitstag startet, sobald meine Kinder in der Schule sind, mein Kalender richtet sich also ziemlich nach ihrem Stundenplan. Meetings plane ich meistens am Vormittag, danach arbeite ich an Projekten, neuen Ideen für die Academy oder an meinen Social-Media-Kanälen. Zwischendurch bleibt immer Platz für die Familie – genau das schätze ich an meinem Beruf so sehr. Kein Tag ist gleich, aber das mag ich: Ich arbeite strukturiert, aber mit viel Flexibilität. Diese Balance zwischen Familie, Kreativität und Strategie ist mein persönliches Erfolgsrezept.

Gab es einen ausschlaggebenden Moment, der Sie dazu bewegt hat, die VA Academy zu gründen?

Ja. Das war, als ich bemerkte, wie viele talentierte Frauen in der Schweiz den Willen und das Potenzial haben, ortsunabhängig zu arbeiten, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Ich selbst bin diesen Weg als dreifache Mami gegangen und wollte eine Plattform schaffen, die den Einstieg und die Weiterentwicklung erleichtert. Die VA Academy ist mein Herzensprojekt, um dieses Wissen und diese Chance weiterzugeben. Bislang gab es keine zentrale Plattform, die speziell auf die Bedürfnisse von virtuellen Assistentinnen aus der Schweiz ausgerichtet ist. Viele mussten Informationen mühsam zusammensuchen.

Die VA Academy schliesst diese Lücke, indem sie Kurse, Tools und Ressourcen an einem Ort vereint. Dabei berücksichtige ich besonders Produkte von virtuellen Assistentinnen und anderen Anbietern aus der Schweiz. Ich bin überzeugt, dass uns echte Verbindungen viel weiterbringen als Konkurrenzdenken. Mein Ziel ist es, jede Frau zu ermutigen, ihren eigenen, selbstbestimmten Weg zu gehen.

Richtet sich das Angebot speziell an Frauen?

Die VA Academy ist geschlechterneutral und richtet sich an angehende wie auch erfahrene virtuelle Assistentinnen und Assistenten, die starten oder sich spezialisieren möchten.

Was fasziniert Sie am meisten an der digitalen Arbeitswelt?

Mich fasziniert die Freiheit, ortsunabhängig zu arbeiten, und die Vielfalt der Projekte. Jede VA bringt individuelle Stärken ein und gestaltet ihren Alltag selbst. Gleichzeitig ist Selbstorganisation eine grosse Herausforderung – gerade, wenn Familie und Beruf ineinandergreifen. Auch der schnelle Wandel digitaler Tools verlangt Flexibilität.

Welche Hürden mussten Sie auf Ihrem Weg zur Gründung und Etablierung der VA Academy überwinden – persönlich wie unternehmerisch?

Die grösste Herausforderung war, Vertrauen in meine Vision zu behalten, besonders in Momenten, in denen vieles neu und ungewiss war. Unternehmerisch war es anspruchsvoll, Strukturen zu schaffen und gleichzeitig authentisch zu bleiben. Persönlich musste ich lernen, Verantwortung abzugeben und mich auf meine Stärken zu konzentrieren.

Zum Schluss: Welche Trends werden das Berufsbild der virtuellen Assistentin in den nächsten Jahren besonders prägen?

Die digitale Assistenz wird in den nächsten Jahren weiterwachsen. Themen wie Automatisierung, KI und Spezialisierung werden den Beruf prägen. Virtuelle Assistentinnen werden zunehmend strategische Partnerinnen statt reiner Umsetzerinnen sein. Gleichzeitig bleibt der menschliche Faktor entscheidend: Empathie, Kommunikation und persönliche Betreuung sind durch keine Technologie ersetzbar. Die Zukunft ist hybrid – digital, aber menschlich.

Simona Sigrist, seit 2020 als virtuelle Assistentin unterwegs. © zvg

Seit 2020 ist Simona Sigrist als virtuelle Assistentin unterwegs. 2021 hat sie die monVA GmbH gegründet und 2024 die VA Academy Schweiz ins Leben gerufen. Sie lebt mit ihrer Familie im Luzerner Seetal und arbeitet für verschiedene Schweizer KMU in den Bereichen Backoffice, Marketing und Social Media. Ihre Schwerpunkte liegen in Organisation, Content-Erstellung und digitalen Prozessen. In ihrer Freizeit geniesst sie die Zeit mit der Familie, die Natur und DIY- Projekte.