Der Schweizer Tourismus lebt von Ideen, Kooperationen und dem Mut, Neues zu wagen. Seit über 25 Jahren unterstützt das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO über «Innotour» touristische Innovationen, Kooperationen und den Wissensaufbau. Das SECO hat nun für den Zeitraum 2012 bis heute die Wirkungen und den Vollzug des Förderprogramms umfassend evaluiert.

Der Bericht wurde vom SECO im Sommer 2025 publiziert. Autoren dieser Evaluation sind die Beratungsfirma INFRAS sowie die Hochschule Luzern. Ziel der Evaluation war es, die Wirkung des Förderprogrammes aufzuzeigen, dessen Vollzug zu überprüfen, punktuell mit anderen nationalen und internationalen Förderinstrumenten zu vergleichen und Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Förderinstrumentes abzuleiten.

Positive Ergebnisse

Die Evaluation zeigt eindrücklich: «Innotour» wirkt. 215 Projekte wurden seit 2012 gefördert, mit einem Bundesbeitrag von 74,3 Millionen Franken. Damit wurden zusätzliche Mittel von über 190 Millionen Franken ausgelöst. Ein Multiplikator von 3,6, der sich sehen lassen kann. Besonders bemerkenswert: Beinahe 80 Prozent der Projekte werden nach der Förderung weitergeführt. Das spricht für die Qualität der unterstützten Ideen – und für die Wirkung der Anschubfinanzierung. «Innotour» hilft, Projekte auf die Beine zu stellen, die sonst nicht realisiert würden.

Impulsgeber und Katalysator

«Innotour» ist ein nationales Förderinstrument. Rund drei Viertel der Mittel flossen in nationale Projekte, ein Viertel in regionale Modellvorhaben. Letztere leisten einen wichtigen Beitrag zur Innovationskraft in den Regionen – mit dem Potenzial, als Vorbilder zu wirken. Doch Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. «Innotour» ist nicht nur ein Finanzierungsinstrument, sondern ein Impulsgeber für neue Ideen, ein Katalysator für Zusammenarbeit und ein Motor für nachhaltige Entwicklung. So hat es beispielsweise dazu beigetragen, die Themen Hotelkooperation, Digitalisierung oder Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel deutlich voranzubringen.

Für uns im Ressort Tourismuspolitik des SECO als Vollzugsstelle ist es besonders erfreulich, dass in der Evaluation der Vollzug und insbesondere die Benutzerfreundlichkeit von «Innotour» positiv bewertet werden. Unsere projektspezifische Begleitung wird als lösungsorientiert und unterstützend wahrgenommen. Die Evaluation kommt zum Schluss, dass es bei «Innotour» keine grundlegenden konzeptionellen Anpassungen braucht. Gleichzeitig zeigt die Evaluation auf, wo beim Förderinstrument Weiterentwicklungspotenzial besteht. So soll insbesondere der Wissenstransfer gestärkt, der Zugang für neue Akteure erleichtert und der Prüfprozess weiterentwickelt werden.

Themen wie Hotelkooperationen werden vorangebracht. © AdobeStock, Wanwajee

Austausch verstärken

Dem Wissenstransfer und der Vernetzung kommt bei der Weiterentwicklung von «Innotour» eine zentrale Bedeutung zu. Das SECO beabsichtigt, den projektspezifischen Austausch über verschiedene Kanäle zu verstärken. Ziel ist es, Know-how aus Projekten nachhaltig nutzbar zu machen und besser zu verbreiten. Dazu werden ab 2026 bestehende Kommunikationskanäle überprüft, in weiterentwickelter Form wieder aufgenommen (z.B. Transfer-Workshops – «walk the talk») oder neue Formate ausprobiert. Beispielhaft genannt werden kann hierzu ein neues Austauschformat zwischen dem SECO und den Vertretern der Schweizer Tourismus Regionen (Regional Tourism Alliance). Zwei Mal im Jahr sollen von «Innotour» unterstützte Digitalisierungsprojekte vertieft präsentiert und diskutiert werden. Ein erster Austausch dazu fand im September 2025 statt und hat den Nutzen und die Notwendigkeit eines solchen Austausches bekräftigt.

Kriterien werden angepasst

Die Evaluation kam zum Schluss, dass die Erstellung des ersten «Innotour»-Finanzhilfegesuchs herausfordernd und die Möglichkeit eines Vorgesprächs mit dem SECO kaum bekannt ist. Das SECO hat dementsprechend den gesamten Prozess von der Einreichung bis zum Projektabschluss in neuer Form auf der Homepage dargestellt. Die Möglichkeit eines Vorgespräches mit dem SECO wird neu klar kommuniziert. Die Analyse des Vollzugs zeigte, dass der Prozess insgesamt angemessen ausgestaltet und umgesetzt ist. Das Prüfkonzept von «Innotour» hat sich grundsätzlich bewährt und soll weitergeführt werden. Die Prüfkriterien und der Prüfprozess sollen aber gezielt angepasst werden. So führt das Team seit einigen Jahren Projektbesuche vor Ort durch und führt umfassende Dokumentenkontrollen durch. Die zu prüfenden Projekte werden dabei jeweils risikobasiert ausgelost. Zur Erhöhung der Unabhängigkeit und Expertise werden basierend auf den Empfehlungen Vor-Ort-Prüfungen ab 2026 an externe Prüferinnen und Prüfer ausgelagert.

Es braucht weiterhin Ideen

Die bereits umgesetzten bzw. noch geplanten Weiterentwicklungen erlauben eine wirkungsorientierte Optimierung des bewährten Förderinstruments. «Innotour» wird damit auch zukünftig ein zentrales Instrument bleiben für eine Tourismuspolitik, die Innovation ermöglicht und auf die Herausforderungen von heute und morgen proaktiv reagiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die touristische Innovationsförderung des Bundes über «Innotour» gut etabliert ist, viele wertvolle Projekte anstösst, die sonst nicht zustande kämen, und längerfristig Wirkung entfaltet. Das Förderprogramm hat sich bewährt, stiftet einen hohen Nutzen und leistet einen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Tourismus. Wir freuen uns, auch in Zukunft mit «Innotour» wegweisende Projekte unterstützen zu können. Dazu braucht es neben einem attraktiven Förderinstrument insbesondere auch weiterhin herausragende Ideen aus dem Tourismus.

Der Text dieser Kolumne stammt von:

Richard Kämpf
Stv. Leiter Direktion für Standortförderung
Leiter Ressort Tourismuspolitik
Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
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